Schleudergang, Unterwasserberge und der verlorene Schnorchel am Great Barrier Reef
Auch heute kannte der Wecker kein Erbarmen: 6:30 Uhr Tagwache. Da unser Aufbruch gestern in eine leichte Hektik ausgeartet war, hatten wir aus unseren Fehlern gelernt und uns heute bewusst einen kleinen Zeitpuffer eingebaut. Nach einem entspannten, schnellen Frühstück packten wir unsere Siebensachen und machten uns auf den Weg zum Hafen von Port Douglas.
Um 8:15 Uhr standen wir pünktlich zum Check-in auf dem Steg. Das Tagesziel war kein Geringeres als eines der größten Naturwunder unserer Erde: Das äußere Great Barrier Reef!
Prävention ist alles: Die Seekrankheits-Tablette
Gegen 8:45 Uhr hieß es für uns und rund 70 weitere Passagiere: Leinen los! Schon beim Check-in hatte man uns eindringlich geraten, eine Tablette gegen Seekrankheit einzuwerfen. Die Prognose für den Tag: sehr viel Wind und ein entsprechend ordentlicher Wellengang.
Obwohl Sylvia und ich auf Booten noch nie mit einem flauen Magen zu kämpfen hatten, siegte die Vernunft. Es ergibt schließlich überhaupt keinen Sinn, den Helden zu spielen, nur um dann über der Reling hängend festzustellen, dass man sich einen sündhaft teuren und einmaligen Ausflug ruiniert hat. Eine goldrichtige Entscheidung! Die rund anderthalb Stunden Fahrt zum äußeren Riff glichen eher einem Schleudergang in der Waschmaschine als einer gemütlichen Kreuzfahrt. Wir wurden ordentlich durchgeschüttelt.
Tauchgang 1: Vom Anfängerfehler zum Aquarium-Feeling
Am ersten Ankerpunkt angekommen, gab es zunächst die obligatorische Sicherheitsunterweisung. Wie verhält man sich im Riff? Was darf man anfassen? (Antwort: Nichts!). Anschließend wurde das Equipment verteilt: Flossen, Tauchmaske mit Schnorchel und die schicken Schwimmanzüge (Stinger Suits), die vor Nesseltieren und der Sonne schützen. Und dann hieß es: Ab ins Wasser!
Der Schnorchel-Vorfall: Bei dem herrschenden Wellengang war das Schnorcheln auf offener See eine echte sportliche Herausforderung. Die oberste Regel lautet: Ruhe bewahren, auch wenn einem mal eine Welle von oben in den Schnorchel schwappt. Diese theoretische Weisheit verließ mich nach exakt 25 Metern. Ich hatte Wasser geschluckt, wollte den Schnorchel kurzerhand über Wasser entleeren – und schwupps, löste sich das gute Stück von der Maske und verabschiedete sich in die blauen Fluten.
Das bedeutete für mich: Kehrtmarsch zum Schiff und beim Chef kleinlaut einen neuen Schnorchel ordern. Bei der Gelegenheit warf ich meinen falschen Stolz direkt komplett über Bord und ließ mir eine Auftriebshilfe aushändigen.
Mit diesem kleinen Schaumstoff-Helferlein im Rücken lag ich plötzlich wunderbar stabil im rauen Wasser. Ab diesem Moment war es reiner Genuss! Durch das glasklare Wasser offenbarte sich eine atemberaubende Korallen- und Fischwelt. Man fühlte sich buchstäblich so, als würde man in einem gigantischen, bunten Aquarium schwimmen. Nach einer Stunde faszinierender Eindrücke war der erste Durchgang beendet.
Tauchgang 2 & 3: Luftblasen, Riffhaie und Meeresbiologie
Wir fuhren nur wenige Minuten weiter zum nächsten Spot. Für mich war dieser zweite Schnorchelgang sogar noch beeindruckender als der erste.
Ein besonderes Highlight war es, die echten Gerätetaucher in voller Montur tief unter uns auf dem Meeresgrund beobachten zu können. Während sie dort unten die Korallenwelt erkundeten, stiegen ihre Luftblasen wie tanzende silberne Perlen zu uns an die Wasseroberfläche auf – ein tolles Bild!
Wieder zurück an Bord wurde ein hervorragendes Mittagessen serviert. Während wir uns stärkten, teilte eine Meeresbiologin ihr Wissen mit uns und erklärte die empfindlichen ökologischen Besonderheiten dieses gigantischen Riffsystems.
Der dritte und letzte Schnorchelgang setzte dem Tag dann endgültig die Krone auf. Die Korallen bildeten hier massive Formationen, die wie majestätische Unterwasserberge wirkten. Und das Beste: Wie angekündigt zogen am Meeresgrund tatsächlich leibhaftige Riffhaie ihre Kreise! Auch wenn es sich um eine für Menschen harmlose Spezies handelt, flößen einem diese eleganten Raubfische in freier Wildbahn ordentlich Respekt ein.
Vom Riff auf den Strand: Marathontraining kennt keine Gnade
Nach diesem letzten Abenteuer im Wasser gab es an Bord zur Belohnung Kaffee und Kuchen, bevor wir die 90-minütige (und immer noch schaukelnde) Rückreise antraten. Gegen 16:30 Uhr hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen im Hafen von Port Douglas.
Wer nun denkt, wir hätten nach diesem körperlich durchaus fordernden Trip auf der Couch gelegen, der irrt. Ein kurzer Blick auf den Kalender verrät: In knapp zwei Wochen fällt der Startschuss für den Sydney Marathon!
Also tauschten wir die Schwimmanzüge gegen Laufklamotten und absolvierten – wie schon am Samstag – eine knackige Trainingseinheit, die wir zum Großteil auf dem festen Sand des Strandes abspulten. Nach dem Laufen waren die Batterien dann aber auch endgültig leer.
Das war’s für heute! Morgen steht unser letzter, vollständiger Tag in Port Douglas an. Den wollen wir nach den vollgepackten letzten Tagen deutlich entspannter angehen lassen, bevor wir am Mittwoch in den Flieger nach Brisbane steigen und das Kapitel „Roadtrip“ aufschlagen.
