Tag 13 – Auf Schleichwegen nach Sydney: Mietwagen-Odyssee und Schwindelfrei auf der Harbour Bridge
Den Start in den Tag traten wir diesmal mit leerem Magen an. Der Plan war simpel: Einfach losfahren und unterwegs in Ruhe frühstücken. Nach etwa einer Stunde Fahrzeit, kurz vor dem Pacific Motorway, spürte Sylvia auf der Karte ein Lokal namens „Old Road Cafe“ auf. Klang im Reiseführer-Geist vielversprechend, entpuppte sich vor Ort jedoch als ziemlicher Reinfall. In ungemütlicher Bahnhofs-Atmosphäre würgten wir unseren Kaffee und einen eher blassen Frühstückswrap hinunter, um schnellstmöglich wieder auf der Piste zu sein. Kulinarisch konnte der Tag ab hier nur noch gewinnen.
Die restliche Anfahrt bis zur Stadtgrenze verlief unspektakulär. Um die Mautstraßen der 6-Millionen-Metropole zu umgehen, zickzackten wir durch die Außenbezirke bis zur Rückgabestation unseres Mietwagens. Die entpuppte sich als feines Geduldsspiel: Das Depot versteckte sich im 5. Untergeschoss eines gigantischen Parkhauses, in dem man pro Etage eine komplette Ehrenrunde drehen musste. Unten angekommen, verkündete ein Schild, dass die Schlüssel bitte oben abzugeben seien. Oben empfing uns prompt das nächste Schild: „Büro derzeit nicht besetzt – Mitarbeiter ist unten auf dem Parkdeck.“ Ein Anruf und fünf Minuten Verwirrung später konnten wir den vollgetankten Wagen aber endlich quittieren. Nach gut 1.200 Kilometern auf der linken Straßenseite ist man dann doch heilfroh, den Wagen mackenfrei übergeben zu haben.
Orientierung im Stadtteil „The Rocks“
Dank der Anmeldung zum Sydney Marathon nutzten wir die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos, sodass uns die Metro blitzschnell zu unserem Hotel brachte. Da unser Zimmer noch nicht bezugsbereit war, parkten wir die Koffer beim Concierge und starteten die erste Erkundungsrunde zu Fuß. Zwischen den tiefen Häuserschluchten blitzte am Ende einer Straße schon bald unser Tagesziel auf: die mächtige Harbour Bridge.
Auf dem Weg dorthin bummelten wir durch The Rocks, das historische Herz der Stadt. Wo einst die ersten Häuser Sydneys standen, herrscht heute zwischen alten Ziegelbauten, urigen Cafés und kleinen Läden eine wunderbar entspannte Atmosphäre. Auf der gegenüberliegenden Hafenbecken-Seite lag das berühmte Opernhaus – der Ort, an dem am Sonntag die Ziellinie unseres Marathons auf uns warten wird.
Der BridgeClimb: In 134 Metern Höhe über dem Hafen
Am Nachmittag wurde es ernst. Sylvia hatte zu ihrem 60. Geburtstag von Astrid und Michael eine Klettertour über die Harbour Bridge geschenkt bekommen – und ich durfte als Begleitung mit auf die Stahlkonstruktion. Als wir die winzigen Personengruppen sahen, die sich wie Ameisen über den Brückenbogen schoben, stieg der Puls doch kurz an.
Bevor es auf die Brücke ging, durchliefen wir eine einstündige, extrem professionelle Vorbereitung:
- Vorstellungsrunde der 11-köpfigen Klettergruppe und Sicherheitsunterweisung
- Abgabe aller persönlichen Gegenstände (absolute Handy-Sperre!)
- Einkleidung in graublaue Overalls, grüne Cappen, Sicherheitsgeschirr, Funkgeräte und Regenjacken
- Trockenübung an Test-Leitern in einer Trainingshalle
Vollständig eingeklinkt ins durchgehende Sicherungssystem startete die Tour. Zunächst spazierten wir auf Holzplanken einige hundert Meter unterhalb der vielbefahrenen Fahrbahn entlang. Über steile Metallleitern ging es schließlich hinauf auf den äußeren Hauptbogen.
Trotz der beachtlichen Höhe von 134 Metern über dem Wasser kam zu keiner Sekunde Unsicherheit auf. Bei strahlendem Sonnenschein bot sich uns ein überwältigender Rundumblick auf die Stadt, den Hafen und das Opernhaus. Unser Guide versorgte uns über Funk durchgehend mit Anekdoten zur Baugeschichte der Brücke und der Stadt. Am höchsten Punkt wechselten wir die Bogen-Seite und traten zwischen anderen Klettergruppen langsam den Abstieg an.
Zurück am Boden, um eine Erfahrung und etliche offizielle Erinnerungsfotos reicher, schlenderten wir in der Dämmerung zurück zum Hotel. Die Koffer standen bereits auf dem Zimmer. Nach einer kurzen Dusche sicherten wir uns zwei Minuten vom Hotel entfernt die nötige Dosis Carbo-Loading beim Italiener. Der Marathon rückt näher!
