Australien – Vorbericht und Anreise

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Australien – Vorbericht und Anreise

Teil 1: Die Idee, die Planung und der 40-Stunden-Marathon vor dem Marathon

Manchmal braucht es im Leben einfach eine glückliche Fügung – oder besser gesagt: zwei Wünsche, die sich perfekt überschneiden.

Die Idee für dieses Abenteuer reifte bereits im vergangenen Jahr. Auf der einen Seite steht da Sylvia, die schon seit Ewigkeiten davon träumt, einmal den roten Kontinent zu betreten, es bis dato aber schlichtweg noch nicht geschafft hatte. Auf der anderen Seite bin da ich – getrieben von dem ehrgeizigen Gedanken, die berühmten World Marathon Majors komplett zu finishen. Als der Sydney Marathon im letzten Jahr offiziell in diesen erlauchten Kreis aufgenommen wurde, gab es kein Halten mehr: Wir meldeten uns kurzerhand gemeinsam an.

Dass Sylvias allererster Marathon nun genau zehn Jahre zurückliegt – damals lief sie nach ihrem 50. Geburtstag auf Hawaii durchs Ziel –, verlieh dem Ganzen eine fast schon romantische Note. Der sportliche und emotionale Rahmen stand also!

Wer die Wahl hat, hat die Qual: 3 Wochen Australien

Wer sich auch nur fünf Minuten mit der schieren Landmasse Australiens beschäftigt, merkt schnell: Wer „nur“ drei Wochen Zeit hat, muss Mut zur Lücke beweisen. Mehr als ein bis zwei Regionen sind realistisch kaum machbar, wenn man nicht die gesamte Zeit im Flugzeug verbringen will.

Unser Plan für das Abenteuer nahm schließlich konkrete Formen an:

  1. Pazifik & Regenwald: Anreise über Sydney direkt weiter nach Cairns und Port Douglas ganz im Norden. Von dort aus wollten wir das Great Barrier Reef und den tropischen Regenwald erkunden.
  2. Der Roadtrip: Flug nach Brisbane und anschließend mit dem Mietwagen rund 1.000 Kilometer die Ostküste hinunter nach Sydney.
  3. Das Finale: Sydney und das Umland erkunden, gekrönt vom gemeinsamen Marathon.

Aufbruch am 12. August 2026: Ein Hauch von Sonnenfinsternis

Am 12. August war es endlich so weit. Die Flüge waren gebucht, der Mietwagen reserviert, das erste Hotel fixiert. Vor der schieren Zahl von 40 Stunden Gesamtreisezeit (davon stramme 24 Stunden reine Flugzeit) hatten wir durchaus Respekt. Um das Ganze noch ein wenig sportlicher zu gestalten, traten wir die erste Etappe zum Flughafen Bremen ganz entspannt mit Bus und Bahn an.

Fliegerisch verlief im Grunde alles nach Lehrbuch – keine Verzögerungen, keine Pannen. Beim Zwischenstopp in München belohnte uns der Himmel sogar noch mit einem spektakulären Naturschauspiel: Wir konnten tatsächlich einen Blick auf die Sonnenfinsternis erhaschen!

In Singapore angekommen, machten wir bereits am Flughafen die erste Bekanntschaft mit der sprichwörtlichen australischen Freundlichkeit. Wir kamen ins Gespräch mit zwei älteren Damen aus Australien, die auf dem Weg nach Italien waren und uns direkt auf den Kontinent einstimmten. Um die vier Stunden Aufenthalt zu überbrücken, spazierten wir durch das wunderschöne Schmetterlingshaus im Terminal – eine kleine, bunte Oase mitten im Reisechaos.

Der Schrecken der dicken Knöchel: Die Entspannung währte kurz, bis Sylvia mich auf meine Knöchel aufmerksam machte. Wassereinlagerungen! Bei noch bevorstehenden 10 bis 11 Flugstunden stieg die Nervosität schlagartig an. Ich nutzte den Aufenthalt spontan für einen Notkauf im Flughafen-Shop und rüstete mich mit Kompressionsstrümpfen aus. Krise vorerst abgewendet!

Jetstar, Scheibenwischer und Schlangengefahr

Nach der Landung in Sydney am nächsten Morgen ging es ganz kurz vor das Terminal: einmal tief durchatmen, die herrlich erfrischende australische Luft einsaugen und das allererste Erinnerungsfoto auf australischem Boden schießen!

Der einzige echte Stresstest der gesamten Anreise wartete beim Weiterflug mit Jetstar. Die Airline hat ihre Prozesse vor Ort maximal automatisiert – theoretisch super, praktisch eine Katastrophe. Die Technik streikte immer wieder, und die Fluggäste vor uns kämpften einen verzweifelten Kampf gegen die Automaten. Wie das Schicksal es will: Der spontane Wechsel in eine vermeintlich schnellere Schlange führte nur dazu, dass in unserer neuen Reihe gar nichts mehr ging und die alte Schlange an uns vorbeizog.

Irgendwann war aber auch diese Geduldsprobe bestanden, und wir landeten pünktlich in Cairns.

Die letzten 60 Kilometer nach Port Douglas

Während Sylvia am Kofferband auf unser Gepäck wartete, erledigte ich bereits die Papierkram-Hürde und nahm den Mietwagen entgegen. Nun lagen nur noch die letzten 60 Kilometer bis Port Douglas vor uns.

Nach fast zwei Tagen ohne nennenswerten Schlaf auf der „falschen“ (sprich: linken) Straßenseite zu fahren, forderte absolute Konzentration. Mein persönlicher Run-in mit dem Rechtslenker: Jedes Mal, wenn ich blinken wollte, betätigte ich verlässlich den Scheibenwischer.

Die Fahrt selbst belohnte uns jedoch für alles: Wir bogen auf den James Cook Highway ein – eine der absolut schönsten Panoramastraßen Australiens. Links schimmerte der tiefblaue Pazifik, rechts ragten dicht bewaldete, tropische Berge auf. Wunderschön!

Nach etwa 90 Minuten Fahrt erreichten wir müde, aber glücklich unsere Unterkunft. Nach einem blitzschnellen Einkaufsstopp im lokalen Supermarkt ließen wir den ersten Abend ganz klassisch bei Fish and Chips in einem gemütlichen Pub im Zentrum von Port Douglas ausklingen.

Die vier Kilometer dorthin legten wir übrigens – auf dringenden Rat unserer Rezeptionistin – mit dem Auto zurück. Ein nächtlicher Fußmarsch sei wegen der Schlangen, die sich nach Einbruch der Dunkelheit nur zu gerne auf den warmen Fuß- und Radwegen ausruhen, eher semi-empfehlenswert.

Zurück im Zimmer brauchte es keine Schlaflieder mehr: Die Augen fielen uns nach dieser Mammut-Anreise blitzschnell zu. Willkommen in Australien!

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